28 Februar 2010

Frust


Dass Patienten an mangelnden Mitteln und Möglichkeiten sterben, war mir klar. Aber auf folgendes war ich nicht vorbereitet: Die anderen Ärzte (alle unerfahrener als ich) wursteln meist irgendetwas vor sich hin ohne zu wissen, was sie tun. Sie mögen es gar nicht, wenn man ihnen hilft oder sagt, wie der Standard in der Schweiz ist oder was ich (der Jüngste) für Vorschläge habe. Es ist jedes Mal ein riesiger Kampf um etwas durchzusetzen z.B. dass bei Commotio Patienten weder NSAR noch Opiate gegeben werden sollen. Eine Uterusperforation mit anschliessendem Tod reicht nicht, um bei der nächsten Patientin vor der Curretage erst die Uteruslage zu untersuchen. Man kann es immer wieder sagen und es ist jedesmal neu; vielleicht wollen sie einfach nicht lernen. Aber ich finde es ein Jammer, wenn Patienten aus ärztlicher Eitelkeit und Dummheit sterben müssen.

Fortbewegung in Lesotho



Innerhalb des Landes zu reisen ist mühsam aber auch immer ein Abenteuer. Die Minibüsschen stehen am Taxirank und warten bis sie voll sind. Danach werden noch mind. 5 weitere Personen kreuzweise aufgestapelt und wenn der Fahrer in the mood ist, stellt er den Motor an. Dann weiss ich, es dauert nur noch 15min. Unmittelbar vor der Abfahrt kommt aber noch das Wichtigste: set on music! Es dröhnt und überschlägt aus den Lautsprechern entweder Reggae oder Basotho-Pop. Die Leute beginnen sofort im Takt zu schaukeln und zu singen. Weil es so eng ist, muss ich jeweils wohl oder übel mitwippen. Auf dem Weg von Maseru nach Butha-Buthe (140km) lief es wieder genau so ab. Mitten auf dem Weg nach ca. 2h schrie jemand und der Bus hielt. Alle stürzten aus der Kiste und ich sah, wie sie alle einen anderen Minibus stürmen. Der Driver meinte, er fahre hier nicht mehr weiter. Ich erreichte den anderen Minibus grad noch, bevor die Musik angeworfen wurde. Während eines Übeholmanövers begann der Fahrer mit dem überholenden Taxidriver zu diskutieren.. 50m weiter vorne stoppte das Büsschen und plötzlich war ich wieder alleine drin. Eine Staubwolke bewegte sich auf das andere Taxi zu und ich mit meinem riesigen Tramper hintendrein. Keiner weiss warum oder wieso das Taxi nicht mehr weiter fährt. Das ist somit eine typische Trans-Lesotho-Fahrt. Ausnahme waren die kurzen Wartezeiten, denn normalerweise wartet man auf den Anschluss 1-6 (!) Stunden.

27 Februar 2010

Mohale Damm



Man kann sich kaum satt sehen, wie sich das Wasser geschmeidig um die Berge herum bettet. Aber nebst der Augenweide hat der Staudamm auch andere Vorteile. Erstens gibt es keine Dürreperioden mit Wassernot mehr und zweitens kann Lesotho das ganze Wasser, an Südafrika verkaufen. Der Mohale-Damm ist mit einem 32km langen 5m dicken Tunnel mit dem Katse Damm verbunden und speist diesen, wenn dieser zu wenig Wasser hat. Denn von da (Katse) aus geht ein anderer Tunnel bis in die Region von Johannesburg, wo das Wasser verbraucht und verkauft wird. Ein weiterer Staudamm ist geplant. Das höchste Land der Erde (das gesamte Gebiet über 1000müM) droht also zu versinken ;-))

Maseru... eine Hauptstadt




Alle Reiseführer raten ab Maseru zu besichtigen. Es bietet tatsächlich keine Sehenswürdigkeiten… aber trotzallem ist es ein Erlebnis durch die Strassen zu laufen. Es ist alles in sehr schäbigem Zustand und heruntergekommen. Auf den Bildern ist die Marktmainstreet zu sehen und die Baracken des Queen Elisabeth II Hospitals sowie die Kathedrale.

23 Februar 2010




Ich wurde mittlerweilen mehrmals angehalten ein paar Bildchen von mir beim Arbeiten upzuloaden. 1. Bild: Schwangerschaftsultraschall bei (biamnioten, monochorialen) Zwillingen. 2. Bild: Jux mit Mpoh, eine geistig Behinderte, die auf dem Areal wohnt und mir immer wieder Heiratsanträge macht. 3. Bild: Vor dem Gipsen eines unverschobenen Ellbogenbruchs (undislozierte distale Humberus-Fx).

22 Februar 2010

Kingdom in the Sky




Der schöne Berg vor der Haustür muss einfach bestiegen werden. Die Basotho schüttelten den Kopf und fragten mich, warum denn alle Schweizer dort hoch gehen müssen. Nach 2,5h Wanderung war mir klar, warum ich die 60% (!) Steigung in Kauf nahm. Der Übernahme für Lesotho „Kingdom in the Sky“ ist zutreffend und atemberaubend wenn man dort oben steht und auf 360° die durch die Wolken ragenden Drakensberge sieht!

Leben und Tod


Die Einstellung dem Leben gegenüber ist hier sehr verschieden von unseren Ansichten. Man macht sich auch keine Gedanken, wenn halt mal wieder jemand stirbt. Wenn ein Patient im Nieren versagen liegt und man eine Bilanz verlangt, klappt das ganz sicher nicht. Ob/wieviel/wann der Kathetersack geleert wurde bleibt ein magnum mysterium. Verordnet man bei hohem Fieber eine höhere Infusionsmenge, ist es keine allzu grosse Überraschung, wenn am nächsten Tag immernoch der gleiche Beutel (1liter) hängt. Wenn man der Pflege dann erklärt, dass die Leute daran sterben, folgt bloss ein fragendes: „oh..“. Ich seufze jedesmal innerlich, wenn ich die Schwestern sehe mit dem Leichenwägelchen das Spital verlassen. Für sie ist es aber jedesmal ein Käferfest, wenn sie mit der Blechkarosse den holprigen Weg runter donnern. Ein unglaubliches Gekicher bei dem Gehopse. Einstellung zu Leben und Tod scheint stark Kultur geprägt zu sein.

16 Februar 2010

Nachtwanderung





Nach dem Besuch eines Stausees, wollte ich auf einen Pass (Sani-Pass), wovon man eine wunderbare Aussicht haben soll. Mitten auf dem Weg gegen 18Uhr sagte der Driver, dass er wegen uns 5 Nasen nicht mehr weiterfahre. Bevor wir uns gross wehren konnten, stand ich mit 4 Basotho (siehe Bild) in the middle of nowhere auf der Strasse. Die Dämmerung setzte rasch ein und es wurde stockdunkel; zudem waren wir auf über 2000m und die Nächte in Lesotho werden sehr kalt; der Himmel war bedeckt und es Blitzte von weit her. Es war totenstill, kein Auto, kein Haus, nichts weit und breit. Die nächste Stadt war ca. 50km entfernt. Es blieb uns somit nichts anderes übrig als uns ins Abenteuer zu stürzen und eine Nachtwanderung in Angriff zu nehmen. Glücklicherweise hatte ich eine warme Jacke und 5 Äpfel in meinem grossen Tramper mit dabei. Nach einer 6-stündigen Wanderung über einen Pass, kamen wir an der Hütte des einen Weggefährten an. Er lud uns ein in seiner 12qm grossen Hütte zu übernachten. Erst dann merkte ich, dass meine Schultern vom Tramper wundgescheuert waren und der Pullover und die Jacke pitschnass waren. Erleichtert und erfreut über ein schlussendlich tolles Erlebnis schlief ich friedlich ein.

Abschied




Inzwischen hatte Marcel seinen letzten Arbeitstag. Es gab eine grosses Fest mit langen Reden auf Sesotho und traditional dancing und singing! Es war unglaublich eindrücklich, wie die Kinder- und Jugendchöre der St. Charles School (gehört zum Spital) für kräftige Klänge hatten. Wenn eine Tanzgruppe zu singen und tanzen begann, standen die Leute auf um mit zu singen, tanzen, klatschen, pfeifen und kreischen! Sogar der Klerus shakes. Unglaublich was für eine Stimmung!

St. Peters Healthcare Centre

Auf dem Besuch eines 25km abgelegenen Healthcare Centres, wo einmal im Monat ein Arzt vorbei kommt, werden die Probleme der Patienten geklärt, die die Krankenschwestern dort nicht selber lösen konnten. Das führt dazu, dass die Leute sehr lange anstehen müssen… also, die Taschen stehen an (siehe Bild)

Spital



Die Mittel im Spital sind sehr beschränkt. Was Marcel (der letzte schweizer Arzt, der die letzten 2 Jahre hier war) hier alles aus den geringen Ressourcen gemacht hat, ist bewundernswert. Trotz seines Einsatzes ist aber leider wenig bei den andern Ärzten hier hängen geblieben. Die 4 Quacksalber, die mit uns arbeiten, pfeifen auf jede Art Fortbildung/Wissen/Tipps und sind eine wahre Gefahr für die Patienten. Dies zeigt sich zum Beispiel daran, dass sie einen Thoraxdrain setzen (ICR 8 posteriore Axillarlinie) und kein Unterdrucksystem anhängen. Wir haben ihnen mehrmals versucht zu erklären, warum es ein Wasserschloss braucht und wie man das macht; die Message kam nicht an, auch als wir den Pneumothorax (zusammengeschrumpfte Lunge) im Rx-Bild zeigten. Sie wollen es gar nicht wissen geschweige denn dazulernen und sagen stets, dass sie schliesslich auch Medizin hätten im Kongo; und dass ihre Medizin (afrikanische) besser auf das Volk von Lesotho (Afrikaner) abgestimmt sei. Inzwischen hat Marcel seine Arbeit hier beendet und ich bin alleine mit den 4 Ärzte.

Huckepack




Nach 9 Monaten im Bauch der Mutter zügeln die Basotho-Kinder auf den Rücken, wo sie nach einer ganz bestimmten Technik mit Tüchern angeschnallt werden und dort verbleiben, bis sie gehen können. Fest an die Muttergedrückt scheinen die Kinder sehr wohl und schauen sich neugierig die Welt an. Kaum sind sie etwas Grösser, gibt es nichts Schöneres als wenn sie sich auf dem Display meiner DigiCam wieder erkennen können. Beim Abdrücken noch skeptisch und beim Anschauen hell begeistert.

Basotho

An der Länge meines Bartes merke ich, dass ich mittlerweilen doch schon ein Weilchen in Lesotho bin. Es gefällt mir sehr gut. Die Basotho (Einwohner von Lesotho) sind sehr freundlich. Ich fühlte mich bisher noch nie in irgendeiner Weise bedrängt. Viele Kinder bis ca. 10 Jahren haben Angst vor mir, weil sie zum ersten Mal einen Weissen sehen. Ein paar Grimassen reichen aber meist um die Kinder zum Lachen zu bringen und das Eis zu brechen. Jugendliche bis 20 sind oft sehr neugierig und kommen auf mich zu und wollen alles über mich wissen. Nicht selten bleiben die konsternierten Blicke richtig an mir Weissem kleben. Es komm oft zu interessanten Unterhaltungen. Junge Erwachsene sind meist etwas schüchtern und etwas reserviert dem „Reichen“ gegenüber.

09 Februar 2010




Seboche ist ein kleines Dörfchen im Norden Lesothos mit einem Spital, das zu einem kleinen Kloster gehört und von einer schweizer Gesellschaft wurde. Seit 32 Jahren arbeitet hier immer mindestens ein schweizer Arzt über 2 Jahre. Leider zieht sich die Gesellschaft nun zurück und der letzte schweizer Chef geht noch Ende dieser Woche.

Angekommen!

; charset=utf-8">Ich wusste gar nicht, dass es einen solchen friedlichen und idyllischen Ort noch gibt. Die Leute wohnen in niedlichen sauberen Bungalows und winken lachend von weit her, wenn sie mich bleiche Kreatur sehen. Obwohl auf 1800müM gelegen, ist es angenehme 26°C warm und es geht immer ein sanftes Lüftchen. Um in diese Märchenwelt einzutauchen muss man von Maseru aus 4h Auto fahren, wovon die letzten 25km über einer Schotterpiste führen. Besonders freut es mich, dass es hier weder gefährliche noch giftige Tiere gibt.